PRAXIS FÜR KARDIOLOGIE UND ANGIOLOGIE
JANSEN - PROBST - REISDORFF - GEIMER - COLL
Untersuchungen
Die Elektrophysiologische Untersuchung (EPU)
Die EPU ist ein invasives Verfahren und wird in einem hierfür besonders ausgestatteten Herzkatheterlabor
durchgeführt. Es werden mittels spezieller Elektrodenkatheter EKG-Ableitungen aus dem Herzinneren abgeleitet und
das Erregungsleitungssystem im Herzen des Patienten durch Stimulationen über die Elektrodenkatheter untersucht.
Nach genauer Diagnostik der Herzrhythmusstörung kann die Gefährlichkeit der vorliegenden Arrhythmie
beurteilt und die am besten geeignete Behandlungsmethode gewählt werden. Sollte die Therapie der Wahl in einer
Katheterablation bestehen, kann diese unmittelbar anschließend, d.h. ohne erneuten invasiven Eingriff zu einem
späteren Zeitpunkt, erfolgen.
Ablauf der EPU - Die Untersuchung erfolgt liegend in örtlicher
Betäubung; der Patient soll zuvor etwa 4 Stunden nüchtern sein. Auf Wunsch kann auch ein Beruhigungsmittel
verabreicht werden. Eine Vollnarkose ist nur in Ausnahmefällen notwendig. Über Venen, seltener auch
über Arterien, werden mehrere dünne Elektrodenkatheter zum Herzen vorgeschoben und an bestimmten Stellen im
Herzen platziert. Nach Punktion eines Gefäßes mit einer dünnen Hohlnadel (meist in der Leiste, sonst
am Hals oder in der Ellenbeuge) werden so genannte Schleusen eingebracht (nur etwa 1,5 bis 2.5 mm dünnes und 10
cm langes Plastikschläuchlein mit Rückschlagventil). Über diese Schleusen können dann
unterschiedliche Elektrodenkatheter ins Gefäß eingebracht werden und unter Durchleuchtungskontrolle zum
Herzen geschoben werden. Meist werden folgende Positionen für die Ableitung des intrakardialen EKG
gewählt: rechter Vorhof, Coronarsinus, HIS-Bündel, rechter Ventrikel. Für besondere Anforderungen wie
anatomische Besonderheiten steht eine Vielzahl auch steuerbarer Katheter zur Verfügung. Über einen
venösen Zugang am Arm (Infusion) können während der Untersuchung Medikamente verabreicht werden.
Über die Elektrodenkatheter können sowohl Herzströme abgeleitet werden als auch Impulse, so genannte
Stimulationen, verabreicht werden. Diese Stimulationen bemerkt der Patient als Herzstolpern oder Herzrasen. Ein Ziel
der Untersuchung ist, die den Patienten belästigende Rhythmusstörung auch auszulösen und dann den
Mechanismus der Arrhythmie genau zu untersuchen. Wenn das Herzrasen auftritt, bemerkt der Patient dies in der Regel
und beschreibt ähnliche Beschwerden, wie sie auch früher bei der Rhythmusstörung auftraten. Der Arzt
kann durch spezielle Stimulation und ggf. auch Gabe von Medikamenten die Arrhythmie meist wieder beenden, wenn diese
nicht spontan sistiert. Seltener ist bei anhaltenden Tachykardien (Herzrasen) der Einsatz eines Defibrillators
erforderlich (elektrischer Impuls von aussen über bereits zuvor platzierte Defibrillationselektroden), die dann
ggf. eine Kurznarkose erfordert.
Risiken der EPU - Die EPU ist wie andere invasive Verfahren mit möglichen
Risiken oder Komplikationen verbunden, die jedoch nach sorgfältiger Vorbereitung und geplanter Untersuchung
sehr selten sind. An der Punktionsstelle kann es zu einem Bluterguss (Hämatom) kommen. Selten verschließt
sich die punktierte Öffnung an der Arterie nicht (Aneurysma spurium), was eine erneute Kompression und
Ruhigstellung notwendig machen kann, nur sehr selten den chirurgischen Verschluss des Defekts der Arterie.
Verletzungen weiterer Gefäße oder Komplikationen am Herzen sind noch weitaus seltener. Sollten
Herzrhythmusstörungen auftreten, ist eine sofortige Behandlung sicher gestellt (es erfolgt eine kontinuierliche
Überwachung, die erforderliche technische Ausstattung ist gewährleistet). Kontrastmittel wird in der Regel
nicht eingestetzt. Dennoch ist hinsichtlich der Kontrastmittelverträglichkeit ist bereits vor der Untersuchung
die Schilddrüsen- und Nierenfunktion oder ein Diabetes abzuklären, um ggf. erforderliche Maßnahmen
einzuleiten. Bei Verdacht auf Kontrastmittelallergie werden besondere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen.
Glücklicherweise äußerst selten sind schwerwiegende Komplikationen wie Schlaganfall, Verletzung von
Herzstrukturen (auch Strukturen des Erregungsleitungssystems, z.B. des AV-Knotens) oder der großen
Gefäße und schwere Blutungen. Grundsätzlich ist bei allen invasiven medizinischen Maßnahmen
das Risiko der Untersuchung abzuwägen gegen das spontane Risiko des Patienten, dem er ohne genaue Diagnostik
der Erkrankung und daher unsichere Therapie ausgesetzt wäre. Das Risiko der Untersuchung ist bei korrekter
Indikationsstellung als ganz erheblich geringer einzustufen und wird im vor der Untersuchung erforderlichen
Aufklärungsgespräch zwischen Arzt und Patient genau erläutert werden. Bitte zögern Sie als
Patient nicht, alle Ihnen in diesem Zusammenhang wichtigen Fragen zu stellen.
Die Katheterablation - Bei der Katheterablation wird, in Anschluß an die
EPU (elektrophysiologische Untersuchung), die Behandlung der festgestellten Herzrhythmusstörung
durchgeführt, indem die elektrische Leitfähigkeit einer für die Arrhythmie verantwortlichen Struktur
oder auffälligen Leitungsbahn im Herzen durch Erwärmung / "Verödung" modifiziert wird. Zu diesem
Zweck kann am schlagenden Herzen ein Ablationskatheter (spezieller, steuerbarer Elektrodenkatheter, dessen Spitze
durch Hochfrequenzstrom erhitzbar ist) mit dieser Spitze genau an die betreffende Herzstruktur positioniert werden.
Die exakte Orientierung erfolgt mit Hilfe der EKG-Ableitungen von den Elektrodenkathetern aus dem Herzinnernen und
auf dem Röntgenschirm. Die Energieabgabe und Erwärmung des Gewebes auf etwa 50-60 Grad Celsius wird vom
Patienten als Wärme oder Druck verspürt (meist wird vor der Ablation bereits ein Schmerzmittel
verabreicht, eine Narkose ist nur selten erforderlich).
Bei welchen Arrhythmien kommt die Ablation zum Einsatz? - Ziel der Ablation
ist die dauerhafte Behandlung, also die Heilung, der Herzrhythmusstörung. Mit hoher Erfolgsrate (in diesen
Fällen beträgt die Erfolgsrate etwa 90%. Rezidive sind mit weniger als 5% selten) wird sie eingesetzt bei
AV-Knoten-Reentry-Tachykardien (AVNRT, kreisende Errgegung im Bereich des AV-Knotens mit zusätzlicher
"langsamer Leitungsbahn"), typischem Vorhofflattern, WPW-Syndrom (kreisende Erregung durch
zusätzliche Leitungsbahn zwischen Vorhof und Kammer) und u.U. bei ventrikulären Tachykardien und
Vorhoftachykardien. Beim Vorhofflimmern, einer häufigen Arrhythmie, weist die Katheterablation noch keine
derart hohe Erfolgsrate auf und ist wegen höherer Risiken nach bisherigem Stand der Technologie noch nicht als
therapeutisches Standardverfahren zu empfehlen.
Wie bemerkt der Patient den Behandlungserfolg? - Eine erfolgreicher
Katheterablation beseitigt die früher bestehende Rhythmusstörung, ist also ein heilender Eingriff.
Rezidive sind nur selten und machen gelegentlich einen Zweiteingriff erforderlich. Auch nach einer erfolgreichen
Ablation kann es allerdings zum Auftreten von Extraschlägen oder seltener auch von anderen
Herzrhythmusstörungen kommen, die nicht durch eine Ablation behandelbar sind.
Risiko der Katheterablation - Das nach EPU zusätzliche
Gefäß-bezogene Risiko durch den etwas dickeren Ablationskatheter (ca. 2,5 mm Durchmesser) ist sehr gering.
Beim Ablationsvorgang selbst ist wichtig, daß die Erwärmung des Gewebes nicht in der Nähe wichtiger
Strukturen stattfindet, da diese sonst geschädigt werden könnten. Sollte dies beispielsweise im Bereich
des AV-Knotens geschehen, könnte ein so genannter AV-Block verursacht werden und sich die Notwendigkeit einer
Versorgung mit einem Herzschrittmacher ergeben. Diese Komplikation tritt nur selten auf (unter 4 %). Sollte eine zu
abladierende Struktur sich sehr nah am AV-Knoten befinden, wird eine Risikoabwägung erfolgen und die Ablation
nach Rücksprache mit dem Patienten ggf. unterbleiben, wenn andere Therapiemöglichkeiten bestehen.
Schwerwiegende Komplikationen wir Perforation / Perikardtamponade treten nur sehr selten auf. Grundsätzlich ist,
wie auch bei allen anderen invasiven medizinischen Maßnahmen erläutert, das Risiko der Untersuchung
abzuwägen gegen das spontane Risiko des Patienten, dem er ohne genaue Diagnostik der Erkrankung und daher
unsichere Therapie ausgesetzt wäre. Das Risiko der Untersuchung ist bei korrekter Indikationsstellung als ganz
erheblich geringer einzustufen und wird im vor der Untersuchung erforderlichen Aufklärungsgespräch zwischen Arzt
und Patient genau erläutert werden. Bitte zögern Sie als Patient nicht, alle Ihnen in diesem Zusammenhang
wichtigen Fragen zu stellen.
Praxis für Kardiologie und Angiologie - Arrenberger Str. 20 - Haus 3 (Auf dem Gelände des Herzzentrums) - 42117 Wuppertal
Tel.: ++49 (0) 202-739545-0 - Fax: ++49 (0) 202-300144 - Email:
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