PRAXIS FÜR KARDIOLOGIE UND ANGIOLOGIE
JANSEN - PROBST - REISDORFF - GEIMER - COLL
KARDIOLOGIE
Was ist eine Herzkatheteruntersuchung?
1. Hintergrund - Das Herz ist der Motor des Körpers. Es kann in drei
Funktionsbereiche eingeteilt werden: den Herzmuskel, die Herzklappen und die Herzkranzgefäße. Der
Herzmuskel ist das Kernstück des Motors, welcher die Kraft aufbringt, um das Blut durch die Gefäße
zu pumpen. Zur Regulation des Blutflusses durch den Herzmuskel dienen spezielle Ventile, die Herzklappen. Das
für die Pumparbeit erforderliche sauerstoffreiche Blut wird durch spezielle Röhren, den
Herzkranzgefäßen (Koronararterien) dem Herzmuskel zugeleitet. Erkrankungen des Herzmuskels werden als
Herzmuskelerkrankungen bezeichnet, Erkrankungen der Herzklappen als Herzklappenfehler (verengte oder undichte
Ventile) und Erkrankungen der Herzkranzgefäße als koronare Herzerkrankung. Früher war eine
Herzkatheteruntersuchung erforderlich, um den Herzmuskel, die Herzklappen und die Herzkranzgefäße exakt
beurteilen zu können. Mit dem großen technologischen Fortschritt vor allem der Echokardiographie
(Ultraschall) ist es heute sehr gut möglich, Erkrankungen des Herzmuskels bzw. der Herzklappen auch ohne
Herzkatheter zu diagnostizieren. Heute führt man eine Herzkatheteruntersuchung meist durch, um eine
Herzkranzgefäßerkrankung zu erkennen bzw.auszuschließen.
2. Durchführung - Um an die Herzkranzgefäße zu gelangen,
muß man rückwärts durch das arterielle Gefäßsystem ein kleines Plastikschläuchlein
(Herzkatheter) bis in den Abgang der Herzkranzarterien vorführen. Als Eintrittspforte in das arterielle System
wird meist der Zugang über die Leistenschlagader (A. femoralis) gewählt, man kann aber auch durch die
Armschlagader (A. brachialis) zum Herzen gelangen. Meist wird die Arterie mit einer kleinen Nadel punktiert, in
seltenen Fällen muß die Armarterie freigelegt werden. Für das Einbringen der Katheterspitze in den
Abgang der Herzkranzgefäße werden speziell geformte Katheter verwendet. Der erfahrene Arzt wählt die
Formen entsprechend den individuellen Gegebenheiten aus. Dann wird Kontrastmittel über den Herzkatheter in das
Herzkranzgefäß gespritzt, um das Innere der Herzkranzgefauml;ße (das Lumen) sichtbar zumachen. Mit
Hilfe einer speziellen Röntgenröhre werden die Bilder dann entweder auf Film oder Super-VHS-Band bzw.
Laser-Disc oder digital aufgezeichnet Zusätzlich wird meistens auch Kontrastmittel in die linke Herzkammer
mittels einer Motorspritze eingebracht (Laevokardiographie), die der Patient als "heiße Welle"
empfindet. In seltenen Fällen wird zusätzlich zum oben genannten Vorgehen ein spezieller Katheter mit dem
venösen Blutstrom über die rechte Herzkammer in die Lungenschlagader eingebracht (Einschwemmkatheter).
Diese Möglichkeit läßt den Druck in der Lungenschlagader bestimmen (Pulmonalarteriendruck).
Früher wurde die letztgenannte Untersuchung "kleiner Katheter" genannt und die Koronarangiographie
"großer Katheter". Man sollte diese Begriffe heute nicht mehr verwenden, da die Katheter zur Darstellung
der Herzkranzgefäße heute dünner sind als die zur Bestimmung des Lungenarteriendruckes.
3. Aussagekraft - Die Herzkatheteruntersuchung, insbesondere die Darstellung
der Herzkranzgefäße ist die einzige Untersuchungsmethode, die mit 100%iger Sicherheit die Aussage
zuläßt, ob die Herzkranzgefäße normal oder verengt sind. Dies hat enorme therapeutische
Konsequenzen: bei normalen Herzkranzgefäßen kann auf koronar wirksame Medikamente verzichtet werden. Im
Falle einer hochgradigen Engstelle kann erst nach der Herzkatheteruntersuchung entschieden werden, ob eine
Ballondehnung (mittels eines speziellen Herzkatheters) oder eine Bypassoperation sinnvoller ist.
4. Ausblick - Ziel gegenwärtig laufender Forschungsprojekte ist es, auch die
"dritte Säule" des Herzens - nämlich die Herzkranzgefäße - ohne Herzkatheter sichtbar
zu machen. Hierzu gibt es schon erste Ansätze (ultraschnelle, elektronische computertomographische Verfahren,
EBCT) oder höherenergetische Röntgenstrahlen. Obwohl es vielleicht möglich sein wird, mit den beiden
letztgenannten Methoden auf eine Herzkatheteruntersuchung zu verzichten, bleibt die Tatsache der Anwendung von
Röntgenstrahlen. Möglicherweise wird man später einmal mittels Kernspintomographie die
Herzkranzgefäßäße auch ohne Röntgenstrahlen routinemäßig darstellen.
Praxis für Kardiologie und Angiologie - Arrenberger Str. 20 - Haus 3 (Auf dem Gelände des Herzzentrums) - 42117 Wuppertal
Tel.: ++49 (0) 202-739545-0 - Fax: ++49 (0) 202-300144 - Email:
praxis@kardiologie-angiologie-wuppertal.de
+
+
+
+
+
+