Geschichte und Endwicklung
Vor dem 20. Jahrhundert - Menschen empfanden das Herz bereits seit langer Zeit
als besonders verwundbares Organ, darauf weisen steinzeitliche Wandmalereien in Spanien hin. Heilkundige Chinesen,
Griechen und Römer widmeten dem Herzen und dem Puls als Ausdruck mechanischer Herztätigkeit besondere
Aufmerksamkeit. Herophilos von Chalkedon konstruierte um 300 v. Chr. eine Taschenwasseruhr zur Pulsmessung. Vor etwa
2000 Jahren beschrieb der römische Literat Seneca der Jüngere seine Angina Pectoris so: "Der Anfall
ist sehr kurz und einem Sturm ähnlich. Bei anderen Leiden hat man mit der Krankheit zu kämpfen, hier aber
mit dem Sterben." Der Beginn der modernen Kardiologie kann am ehesten auf das Jahr 1628 datiert werden, als der
englische Arzt William Harvey seine Entdeckung des Blutkreislaufes veröffentlichte. 1733 konnte der englische
Pfarrer und Wissenschaftler Stephen Hales erstmals "blutig", d. h. invasiv, den Blutdruck messen, indem er
eine Kanüle in die Halsschlagader eines Pferdes einführte und mit einem Glaszylinder verband. Das
älteste herzwirksame Medikament ist Digitalis, dessen Nutzen für die Behandlung der
"Wassersucht" 1785 William Withering beschrieb. 1816 erfand der Franzose René Théophile Hyacinthe Laënnec

das Stethoskop, zunächst in Form recht einfacher hölzerner Zylinder, die eine Auskultation möglich
machten. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts waren Stethoskope mit flexiblen Schläuchen für beide Ohren
verbreitet. Ein frühes Gerät der indirekten "unblutigen", d. h. nichtinvasiven Blutdruckmessung
war z.B. der Sphygmograph des deutschen Physiologen Karl von Vierordt (1818-1884). Das erste Sphygmomanometer wurde
vom österreichischem Pathologen Samuel Siegfried Karl Ritter von Basch (1837-1905) erfunden. 1896 beschrieb der
italienische Arzt Scipione Riva-Rocci ein einfaches Gerät zur Blutdruckmessung mit einer Armmanschette, das von
Harvey Williams Cushing verbessert wurde, und dessen Messmethode 1905 vom russischen Militärarzt Nikolai
Sergejewitsch Korotkow abgewandelt wurde. Heutzutage wird nur noch selten nach der Methode von Riva-Rocci gemessen.
Dann wird der so gemessene Blutdruck mit (RR) benannt. Fälschlicherweise wird der heutzutage nach Korotkow
gemessene Blutdruck in der Praxis aber immer noch mit "RR" bezeichnet.
Das 20. Jahrhundert - Im Laufe des 20. Jahrhunderts gewannen die
Herz-Kreislauferkrankungen erheblich an Bedeutung. Zu Beginn waren sie weltweit für weniger als 10 % der
Todesfälle verantwortlich, gegen Ende für knapp 50 % in den Industrieländern und 25 % in den
Entwicklungsländern. Diese Verschiebung wird mit dem selteneren Auftreten von Infektionskrankheiten und
Mangelernährung als zuvor häufigsten Todesursachen und der steigenden Lebenserwartung erklärt. Da
Herz-Kreislauferkrankungen im höheren Alter häufiger auftreten, erklärt schon der Anstieg der
durchschnittlichen Lebenserwartung - in den USA von 49,2 Jahren im Jahr 1900 auf 76,9 Jahre im Jahr 2000 - einen
Großteil des Zuwachses. Anfang des 20. Jahrhunderts kristallisierte sich die Kardiologie als
eigenständiges Forschungsgebiet innerhalb der Inneren Medizin heraus. 1907 wurde in Paris die erste Ausgabe der
Fachzeitschrift "Archives de Maladies du Coeur et des Vaisseaux" veröffentlicht, 1909 in Wien das
"Zentralblatt für Herz- und Gefäßkrankheiten". In England folgte 1910 die Zeitschrift
"Heart", in den USA 1925 das "American Heart Journal". Ebenfalls 1925 wurde in den USA als erste
kardiologische Fachgesellschaft die "American Heart Association" gegründet. Sie wurde 1927 von der
"Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung" als erster Fachgesellschaft
in Europa gefolgt, deren Mitgliederzahl in den ersten zehn Jahren ihres Bestehens von 180 auf 300 anwuchs. 1903
entwickelt der Holländer Willem Einthoven den Elektrokardiografen (EKG). Hände und Füße der
Patienten wurden damals zur Ableitung der Herzströme in Salzlösung getaucht, erst in den 1940er Jahren
erfolgte die Registrierung mit Hilfe von Metallscheiben an den Hand- und Fußgelenken, die durch Drähte
mit dem Registriergerät verbunden wurden. Die heutige Behandlung von Herzrhythmusstörungen basiert u. a.
auf der Arbeit des Japaners Sunao Tawara, der 1906 während seiner Tätigkeit beim Marburger Pathologen
Ludwig Aschoff die Grundzüge des Erregungsleitungssystems des Herzens veröffentlichte. 1929 kam es zur
ersten Herzkatheteruntersuchung im weiteren Sinne, als sich der damalige chirurgische Assistenzarzt und spätere
Urologe Werner Forßmann in Eberswalde einen Gummischlauch durch seine Armvene in den rechten Vorhof schob.
1941 veröffentlichte André Frédéric Cournand seine Erfahrungen mit der Herzkatheterisierung als diagnostischer
Methode. 1956 erhielten Forßmann und Cournand u. a. für diese Verdienste zusammen mit Dickinson Woodruff
Richards den Nobelpreis. Die erste Herzoperation wurde am 9. September 1896 von dem Frankfurter Chirurgen Ludwig
Rehn vorgenommen. Er nähte das Herz eines Frankfurter Gärtnergesellen, das bei einer Messerstecherei
verwundet worden war. Vorangegangen waren tierexperimentelle Versuche, die gezeigt hatten, dass der Herzmuskel zur
Regeneration fähig war. [3] In den USA folgt die erste Herzoperation eines offenen Ductus Botalli 1938 durch
den amerikanischen Chirurgen Robert E. Gross, die erste Operation am offenen Herzen 1952 durch F. John Lewis. Die
ersten Echokardiographien wurden 1950 durch Wolf-Dieter Keidel sowie 1954 von Inge Edler und Carl H. Hertz
durchgeführt. Das 1952 von Bernard Lown und Samuel A. Levine für die Herzinfarkt-Behandlung propagierte
armchair treatment fand erst in den 60er Jahren auch in Deutschland Anklang. Während den Patienten in der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für sechs bis acht Wochen jegliche körperliche Anstrengung
verboten und strikte Bettruhe verordnet wurde, konnten sie jetzt bereits eine Woche nach dem Infarkt täglich
bis zu zwei Stunden im Sessel sitzen, um den Kreislauf anzuregen und Muskelabbau sowie Thrombosen vorzubeugen.
Heute stehen Patienten nach einem unkomplizierten Infarkt am ersten oder zweiten Tag auf und werden nach sieben bis
zehn Tagen aus dem Krankenhaus entlassen, in den USA bereits nach weniger als fünf Tagen. Am stillstehenden
Herzen konnte erst nach Einführung der Herz-Lungen-Maschine durch John Gibbon im Jahr 1953 operiert werden, die
erste Operation mit diesem Gerät in Deutschland nahm 1957 der Berliner Chirurg Emil Sebastian Bücherl vor.
1958 wurde am Karolinska-Spital in Stockholm der erste von Äke Senning und Siemens-Entwicklungschef Rune
Elmqvist gebaute Herzschrittmacher implantiert. 1959 brachten die deutschen Behring-Werke Streptokinase auf den Markt,
das beim akuten Herzinfarkt das Blutgerinnsel im Herzkranzgefäß auflösen kann und so die
Blutversorgung des betroffenen Areals wieder ermöglicht. Die erste künstliche Herzklappe wurde 1961 durch
die beiden Amerikaner Albert Starr und Lowell Edwards implantiert. 1963 stellte das deutsche Unternehmen Knoll mit
Verapamil den ersten Calciumantagonisten vor. Den ersten Beta-Blocker entwickelte 1964 der Schotte James W. Black,
der 1980 den Nobelpreis erhielt. Der erste Koronararterien-Bypass wurde 1967 durch René G. Favaloro angelegt.
Ebenfalls 1967 erfolgte die erste Herztransplantation durch Christiaan Barnard. Der in Dresden geborene Andreas
Grüntzig führte 1977 in Zürich die erste Ballon-Dilatation durch und begründete damit die
interventionelle Kardiologie. 1980 wurde an der Johns-Hopkins-Universität erstmals ein interner Defibrillator
eingesetzt, um lebensbedrohliche Tachykardien und Kammerflimmern zu beenden. 1981 führte die Pharmafirma
Squibb Captopril als ersten ACE-Hemmer in die Therapie ein. Der erste Stent wurde von Ulrich Sigwart in Lausanne
entwickelt und 1986 erstmals eingesetzt. 1987 entwickelte der in Amerika lebende Grieche Roy Vagelos das erste
Statin. Die dopplergestützte Echokardiographie wurde zwar bereits 1959 durch den Japaner S. Satomura
eingesetzt, kam jedoch erst in den frühen 1980er-Jahren mit der Verf¨gbarkeit leistungsstarker Rechner
durch K. Namekawa, William J. Bommer sowie Larry Miller zur Anwendungsreife. In den späten 1980er-Jahren
verbreiteten sich mit der transösophagealen Echokardiografie (TEE) ("Schluckecho") und der
Stressechokardiografie zwei wesentliche Erweiterungen der Ultraschalluntersuchungen des Herzens. Die TEE wird
insbesondere für die Feinbeurteilung von Herzklappenveränderungen und die Suche nach Emboliequellen
eingesetzt, die Stressechokardiografie zur Beurteilung von Durchblutungsstörungen des Herzmuskels. Die erste
Bypass-Operation in minimal-invasiver Technik wurde 1994 in den USA durchgeführt, 1995 erstmals auch in
Deutschland durch Joachim Laas in der Herz-Kreislauf-Klinik in Bad Bevensen. Während die Computertomografie
(CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) zunächst auf Grund der schnellen Eigenbewegung des Herzens in der
Kardiologie nur selten Verwendung fanden, haben sich diese Untersuchungsverfahren mit der Einführung immer
leistungsfähigerer Computer in den 1990er-Jahren auch in diesem Fachgebiet etabliert.
(Quelle: Wikepedia)