PRAXIS FÜR KARDIOLOGIE UND ANGIOLOGIE
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KARDIOLOGIE
Angina pectoris
Zur Diagnose der Angina pectoris werden technische Geräte nicht benötigt, allein ausschlaggebend ist die
Anamnese. Der Begriff Angina pectoris beinhaltet nicht jedes "Engegefühl in der Brust", definiert aber
automatisch den dringenden Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung, wenn eine Aortenklappenstenose ausgeschlossen
ist. Unabhängig davon, ob eine koronare Herzerkrankung durch eine Koronarangiographie und/oder Zustand nach
Herzinfarkt gesichert ist, muß die Diagnose "Angina pectoris" immer sehr ernst genommen werden.
Weiteres diagnostisches und therapeutisches Vorgehen ist zwingend.
Angina pectoris bei koronarer Herzerkrankung
1. Stabile Angina pectoris - Die klassische Angina pectoris ist durch ein belastungsabhängiges,
retrosternales Druckgefühl von kurzer (sekunden- bis minutenlanger) Dauer charakterisiert. Die klassische
Angina pectoris kann auch in den Hals, Unterkiefer, linken Arm und in den Rücken ausstrahlen. Präcordiale
Empfindungen mit Ausstrahlung in den linken Arm werden zwar häufig als "atypisch" bezeichnet, sind jedoch
ebenfalls ernst zu nehmen, wenn sie belastungsabhängig und reproduzierbar auftreten. Für eine Angina
pectoris spricht auch das rasche (innerhalb von wenigen Minuten) Ansprechen auf sublingual appliziertes
Nitroglycerin oder Isosorbiddinitrat.
2. Instabile Angina pectoris - Die Diagnose einer instabilen Angina pectoris
ist immer sehr ernst zu nehmen: Der Patient muß unverzüglich überwacht (Krankenhaus oder
Praxisklinik) und möglichst rasch einer Koronarangiographie zugeführt zu werden. Als "instabil"
gilt, wer zuvor eine stabile Angina pectoris verspürte, die jetzt an Häufigkeit und/oder Intensität
zunimmt, ohne daß äußere Ursachen (wie z.B. Entgleisung der Blutdruckeinstellung, Weglassen von
Medikamenten, vermehrte psychosoziale Belastung) vorliegen. Insbesondere das Auftreten einer Ruhe-Angina pectoris
ist einem drohenden Infarkt bzw. einem akuten Infarkt gleichzusetzen. Während früher die sogenannte
"recent onset" Angina, das hei&stlig;t eine innerhalb der letzten 4 Wochen neu aufgetretene Angina
pectoris als instabil galt, geht man in letzter Zeit von diesem Konzept wieder ab. Neu hinzu gekommen ist die
Postinfarkt Angina: Eine Angina pectoris nach Herzinfarkt (mit oder ohne Thrombolyse) ist sehr ernst zu nehmen und
mit einem erhöhten Reinfarktrisiko verbunden.
Sonderfälle einer Angina pectoris
Voraussetzung zur Diagnostik dieser Fälle ist eine Herzkatheteruntersuchung.
1. Angina pectoris bei normalen Koronararterien - Diese Befundkonstellation
ist selten, jedoch als Krankheitsbild allgemein anerkannt. Besteht gleichzeitig ein pathologisches Belastungs-EKG,
spricht man von einem "Syndrom X". Wegen der Perfusionsstörung bei noch fehlender induzierbarer
Wandbewegungsstörung ist hier das Myokardszintigramm häufiger pathologisch als das Stressechokardiogramm.
Eine weitere (zur Zeit überwiegend noch wissenschaftlich indizierte) Untersuchung ist die Bestimmung der
Koronarflußreserve (früher anhand der Argon-Edelgasmethode, heute zunehmend h¨ufiger mittels der
invasiven Doppler-Flußmessung), vor allem unter Gabe von Acetylcholin (endothelabhängige Reaktion) und
Adenosin (bzw. Dipyridamol) bzw. Nifedipin (endothelunabhängige Reaktion). Therapeutisch werden
Kalziumantagonisten eingesetzt, neuerdings auch Aminophyllin oder L-Arginin.
2. Angina pectoris bei Koronarspasmus - Auch dieses Krankheitsbild ist selten,
kann aber im Einzelfall bedrohliche Ausmaße annehmen. Die Diagnose stützt sich auf eine klassische Angina
pectoris Lokalisation, allerdings ohne belastungsabhängigen Auslösemodus. Die Angina pectoris tritt oft
spontan und zu regelmäßigen Tageszeiten auf. Das Koronarangiogramm ist unauffällig,
Provokationstests (Ergotamin-Derivate, Acetylcholin) können positiv sein, sind aber wenig sensitiv und ziemlich
unspezifisch. Die Diagnose wird durch ein während des Schmerzanfalls aufgezeichnetes EKG mit deutlicher
ST-Streckenänderung bestätigt (hierzu ist häufig eine Vielzahl von Langzeit-EKGs erforderlich,
alternativ elektronische Kurzzeitspeicherung, z. B. Loop-Recorder). Therapeutisch können hier ausnahmsweise
mehrere Kalziumantagonisten kombiniert werden, in seltenen Fällen hilft eine PTCA mit Stent-Implantation.
Hierunter versteht man die Einnahme von antianginösen/antiischämischen Medikamenten. In der Regel sollte
als Basistherapie ein Nitrat (z.B. ISDN-Retard) verabreicht werden, zusätzlich ein Beta-Blocker oder ein
frequenzsenkender Kalzium-Antagonist (Verapamil-Typ). In seltenen Fällen wird eine 3-er Kombination
erforderlich, jedoch sollte dann primär eine PTCA bzw. Bypass-Operation erwogen werden.
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