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ANGIOLOGIE
Erkrankungen der Arterien -
Arterielle Verschlusskrankheit und Arteriosklerose


1. Erklärung der Arteriosklerose - Grundlage der arteriellen Verschlusskrankheit ist die Arteriosklerose, die Gefäßverkalkung. Die Arteriosklerose ist ein allgemeiner degenerativer Alterungsprozess der Gefäße, der bei allen Menschen auftritt, allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Man kann die zerstörerische Kraft der Arteriosklerose durchaus mit der Korrosion von Wasserleitungen vergleichen. Auch hier sind alle Rohre befallen, aber unterschiedlich stark, je nach Wasserqualität und Beschaffenheit des Rohres. Es wird sehr viel geforscht, um herauszufinden, was die Arteriosklerose beschleunigt, was sie verlangsamt, und ob man sie eventuell stoppen kann. Grundsätzlich spielt sich die Arteriosklerose bei allen Menschen von Geburt an und mit zunehmendem Alter ab. Dass es zu einem unterschiedlich heftigen Befall kommt, liegt an dem Vorhandensein oder Fehlen der bekannten Risikofaktoren. TOP

2. Risikofaktoren der Arteriosklerose
Alle menschlichen Schlagadern verkalken, aber der Prozess der Arteriosklerose nimmt beim Vorhandensein von Risikofaktoren zu! Es werden sich immer wieder Ausnahmen finden, die trotz vorhandener Risikofaktoren keine nennenswerte Arteriosklerose entwickelt haben. Dies darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass - statistisch gesehen - jeder vorhandene Risikofaktor den Verlauf der Arteriosklerose drastisch steigert. Betrachten wir zunächst, wie die Arteriosklerose zustande kommt, wie sie abläuft. Die Gefinnenwand ist ähnlich der Körperoberfläche von einer Haut - hier Endothel genannt - überzogen. Bedingt durch das ständig mit hoher Geschwindigkeit und hohem Druck vorbei fließende Blut, sind die Zellen dieser Haut, die Endothelzellen, einer stäändigen enormen Belastung ausgesetzt. Aus diesem Grunde werden sie in regelmäßigen Abständen erneuert. Ein Prozess der sich im übrigen auch bei der Haut, der Epidermis abspielt, und sich hier in Schuppenbildung oder Verhornung zeigt. Es wird verständlich, dass die Endothelzellen eher geschädigt werden, wenn der Druck in den Gefäßen zunimmt. So verstehen wir, dass die arterielle Hypertonie, also zu hoher Blutdruck, einen Risikofaktor darstellt. Ebenso nimmt die Schädigung der Endothelzellen zu, wenn es zu einer Flussbeschleunigung etwa an Kurven oder Verzweigungen kommt. Hierdurch entstehen die sogenannten Prädilektionsstellen der Arteriosklerose. Stellen, an denen sich die allgemein ablaufende Arteriosklerose schneller und heftiger abspielt. Ist der Stoffwechsel der Zellen und somit ihre Regenerationsfähigkeit gestört, so kommt es ebenfalls zu einem beschleunigten Ablauf der Arteriosklerose. Erhöht sich beispielsweise der Gehalt an Cholesterin und Blutfetten, so wird vermehrt Cholesterin in die Endothelzellen eingelagert, wodurch diese schließlich absterben, sich nicht mehr regenerieren. Dies erklärt warum die Hypercholesterinämie, das zu hohe Cholesterin, ein so bedeutender Risikofaktor ist. Nikotin schließlich ist ein Giftstoff, der einerseits direkt toxisch die Endothelzellen schädigt, zudem aber auch zu einer aktiven Engstellung der Gefäße führt. Die damit verbundene Flussbeschleunigung führt wiederum zu einer vermehrten Schädigung des Endothels. Dass Nikotin über diese beiden Faktoren wirkt, erklärt, warum das Rauchen eine enorme Bedeutung als zentraler Risikofaktor hat. TOP

3. Enstehung und Ablauf - Die ersten, initialen Schritte der Arteriosklerose sind letztlich nicht vollständig geklärt. Es bestehen verschiedene Ansätze, den ersten Schritt zu erklären. Sicher ist nur, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt, bei dem vermutlich mehrere der genannten Prozesse eine Rolle spielen: Sogenannte fibromuskulääre Intimaverdickungen sind schon bei Jugendlichen erkennbar, aber ohne Bedeutung. Es handelt sich um einen physiologischen adaptiven Vorgang. Erst wenn daraus gelatinöse Läsionen mit Fettstreifen oder Lipidflecken entstehen, handelt es sich um Frühläsionen. Schließlich sind in diesen Läsionen glatte Muskelzellen, kollagene und elastische Fasern und Makrophagen mit Lipideinschlüssen (Schaumzellen) enthalten. Grundsätzlich sind diese Veränderungen rückbildungsfähig. Erst wenn Nekrosen und vermehrt extrazelluläre Lipide hinzukommen, entstehen die nicht mehr rückbildungsfähigen fibrösen Plaques, deren Endstadium das Atherom mit Nekrosen, Fettablagerungen, Cholesterin-Ablagerung und Verkalkung darstellt. Diese dicken Atherome führen zur Verengung des Gefäßvolumens. Es kann zur Embolisation von Bestandteilen der Plaques oder zur Einblutung und dem thrombotischen Totalverschluss des Gefäßes kommen. Hat die Arteriosklerose einmal begonnen, so ist ihr Verlauf progredient. Man unterscheidet einen schnell progredienten Verlauf, etwa bei der juvenilen Arteriosklerose, und einen langsam progredienten Verlauf in der Mehrzahl der Fälle. TOP

4. Arterielle Verschlusskrankheit - Der degenerative, die Gefäßwand zerstörende Prozess der Arteriosklerose spielt sich in allen Gefäßregionen ab. Je nach der betroffenen Gefäßregion unterscheiden wir heute die koronare Herzerkrankung, bei einem vorwiegenden Befall der Herzkranzarterien, die cerebrale arterielle Verschlusskrankheit bei einem Befall der hirnversorgenden Arterien (A. carotis interna, A. vertebralis) und die periphere arterielle Verschlusskrankheit bei einem Befall der peripheren, der Gliedmaßenarterien. Je nach dem Befall der jeweiligen Gefäße, ist auch die Symptomatik recht unterschiedlich. Die cerebrale arterielle Verschlusskrankheit kennt keine typischen Symptome, welche dem kompletten arteriellen Verschluss (Schlaganfall) vorausgehen. Dies macht die frühzeitige Erkennung so schwierig. Vor allem beim Auftreten einer koronaren Herzerkrankung oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit muss immer an das gleichzeitige Vorhandensein einer cerebralen arteriellen Verschlusskrankheit gedacht werden. Diagnostik und Therapie gehen deshalb eng Hand in Hand mit den Neurologen. Die koronare Herzkrankheit zeigt sich zunächst in belastungsabhängiger Angina pectoris, bis es beim vollständigen Verschluss einer Arterie zum Herzinfarkt kommt. Diagnostik und Therapie der koronaren Herzkrankheit liegen in der Hand der Kardiologen. TOP

5. Symptome der Arteriellen Verschlusskrankheit - Die Symptomatik der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit ist analog dem Fortschreiten der Arteriosklerose und dem immer weiter sich verschließenden Gefäß langsam progredient. Eine geringgradige Einengung des Gefäßes bleibt zunächst noch klinisch asymptomatisch, erst eine weitere Einengung führt zu Beschwerden. Diese sind zunächst belastungsabhängig, treten bei zunächst starker, dann immer geringerer Belastung auf. Die Schmerzen sind vergleichbar dem Muskelkater und finden sich meist in der Wadenmuskulatur, aber auch in der Oberschenkel oder Gesäßmuskulatur. Diese Schmerzen zwingen den Patienten nach einer gewissen Gehstrecke zum Stehenbleiben. Man spricht von der sog. Schaufensterkrankheit. Der Betroffene will verbergen, dass er nicht mehr weiter kann, und gibt vor, die Schaufenster anzusehen. Schreitet die Arteriosklerose fort, kann das Gewebe bereits in Ruhe nicht mehr ausreichend versorgt werden, es kommt zu Ruheschmerzen. Diese treten meist nächtlich beim Liegen im Bett auf. Betroffen ist jetzt nicht mehr die Muskulatur sondern die periphersten Körperteile, meist Zehen und Ferse. Schließlich kommt es zum Gewebsuntergang, zu Nekrose und Gangrän. Wir unterscheiden vier Stadien der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit:
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